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Der umgekehrte Hund (Ádám Moklósi)

RUHIGERE BESITZER SIND SENSIBLER FÜR IHRE HUNDE

Es ist bekannt, dass Oxytocin eine kardio-protektive Wirkung hat, indem es den Herzschlag verlangsamt und damit möglicherweise bei Tieren und Menschen ein Gefühl der Ruhe und der Stressresitenz induziert. Bestimmte Verhaltensweisen von Hunden, wie z.B. Bellen, haben oft einen negativen Einfluss auf Menschen. Hunde, die in kleinen Räumen gehalten werden und unnatürlichen Situationen ausgesetzt sind, können stereotypische Bellverhalten entwickeln, die sowohl andere Hunde als auch Nachbarn stören.
Peter Pongrácz und seine Mitarbeiter wollten untersuchen, ob Hundegebell tatsächlich eine negative Auswirkung auf menschliche Zuhörer hat und ob dieser Effekt durch Verabreichung von intranasalem Oxytocin gemildert werden kann, was möglicherweise einen ruhigeren inneren Zustand induziert. Sie vermuteten zunächst, dass Belllaute, die negative innere Zustände vermitteln, Stress bei menschlichen Zuhörern auslösen. Die zweite Vermutung war, dass Alarmtypen von Hundegebell besonders starken Stress bei Zuhörern hervorrufen könnten - aufgrund ihrer akustischen Eigenschaften, die denen eines Babyschreis ähneln (hohe Tonhöhe, niedrige Tonhaltigkeit).
Methoden

Die Forscher führten ein doppelblindes, placebo-kontrolliertes Experiment mit 40 gesunden, jungen erwachsenen Männern durch, die entweder eine intranasale Oxytocin- oder Placebo-Behandlung erhielten. Nach einer kurzen Inkubationszeit hörten die Teilnehmer eine Reihe von Hundelauten, die von einem Computer in einem Labor abgespielt wurden. Sie wurden gebeten, die wahrgenommenen Emotionen (Freude, Angst und Aggression), welche durch bestimmte Abfolgen von Hundegebell vermittelt wurden, zu bewerten und den Grad der Belästigung durch diese Laute zu bewerten.
Wichtige Ergebnisse

Nach Analyse der Ergebnisse stellten die Forscher fest, dass die Behandlung mit Oxytocin die Empfindlichkeit der Teilnehmer für negative Emotionen, die durch Hundegebell vermittelt werden, erhöhte. Sie schrieben z.B. Bellen mit einer niedrigen Grundfrequenz höhere Aggressionspunkte zu als Teilnehmer, die ein Placebo erhielten. Umgekehrt milderte die Behandlung mit Oxytocin die durch lautes (atonales) Gebell verursachte Belästigung.

Was haben wir gelernt?

Diese Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass bestimmte Hundegebelle Stress bei Menschen auslösen, was darauf hindeutet, dass übermäßig bellende Hunde als potenzielle Lärmbelästigung angesehen werden können. Aus verhaltenswissenschaftlicher Sicht betonen diese Ergebnisse auch die Bedeutung des emotionalen Zustands der Besitzer in kommunikativen Interaktionen mit ihren Hunden. Aufgrund der Behandlung mit Oxytocin waren ruhigere Besitzer sowohl toleranter gegenüber stressigen Lauten als auch sensibler beim Bewerten des emotionalen Zustands der Hunde.
Zum Weiterdenken

Kommunikation zielt darauf ab, den inneren zustand des Empfängers zum Vorteil des Senders zu verändern. daher haben Hunde eine bessere Chance, ihre Botschaft zu vermitteln, wenn der Besitzer in einem ruhigeren Zustand ist. Interessanterweise kann ein ruhiger Zustand auch durch taktile Berührung des Hundes erreicht werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Streicheln sowohl bei Hunden als auch bei Menschen die Freisetzung von Oxytocin auslöst, was darauf hindeutet, dass taktile Interaktion zwischen Besitzer und Hund vorteilhaft sein kann, bevor intensive Kommunikation stattfindet. So könnte z.B. eine solche "Streichübung" vor Beginn des Hundtrainings durchgeführt werden.
(DER HUND 3/24 Seite8 und 9)